Wichtig: Das Übersehene, das Dritte, das Tiefe …!

von Jens Lönneker

Wichtig: Das Übersehene, das Dritte, das Tiefe …!

von Jens Lönneker

Tiefenpsychologie bietet mehr als Algorithmen und Scores. Sie ist ein Anwalt der reichen Realität!

Die Tiefenpsychologie kommt aus der therapeutischen und forscherischen Praxis. Diese Praxis-Erfahrungen zeigen, dass psychische Phänomene hoch verdichtet sind – im Fachjargon: „überdeterminiert“. Tiefenpsychologen picken sich daher nicht einzelne Verhaltensaspekte wie etwa „Preisakzeptanz“ oder „Einstellungen“ isoliert heraus sondern machen sich die Mühe, die psychischen Phänomene in ihrer Ganzheitlichkeit und Komplexität zu beschreiben und zu erfassen. Sie finden daher auch Wirkungsdimensionen, die sonst „übersehen“ werden, weil sie nicht bewusst sind oder nicht in rationale Denkmuster passen. Tiefenpsychologen machen das Zusammenspiel der Wirkungen als eigene Wirkgröße und  „dritte“ Kraft heraus. Die Ergebnisse bekommen dadurch eine besondere Tiefe und Relevanz.

Tiefenpsychologie kann etwas, was Mainstream-Wissenschaft nicht kann.

Diese Vielschichtigkeit macht Tiefenpsychologie so „inspirierend“. Selbst ihre größten Kritiker – ob Behavioral Scientists oder der berühmte Wissenschaftstheoretiker Sir Karl Popper – haben ihr diese Qualität attestiert. Tiefenpsychologische Erklärungen werden im Vergleich mit anderen Vorgehensweisen oft als reichhaltiger und komplexer erlebt. Sie liefern „tatsächliche“, komplexere Erklärungen und nicht allein Befunde für fokussierte Teilbereiche oder Ausschnitte.  Dieses Können schafft Neid bei nicht wenigen Nicht-Tiefenpsychologen, die sich im Vergleich mit ihren Erklärungen oft als „trockener“ und „begrenzter“ erleben. 

Denn die akademische Forschung hat eine andere Ausrichtung: Sie steht überwiegend in einer Tradition der Aufklärung mit der Suche nach einer Vernunft und Logik in den Phänomenen, die das „Irrationale“ gerade überwinden möchte. Die akademische Psychologie hat daher immer eine Neigung, tiefenpsychologische Erklärungen für menschliches Verhalten abzulehnen. Die universitären Auffassungen sind dabei allerdings oft widersprüchlich: Während die Neurowissenschaftler heute überwiegend die Auffassung von unbewussten Einflussgrößen auf menschliches Verhalten teilen, stellen Behavioral Scientists diese wiederum in Frage. Als „Ziemlich bester Feind“ der akademischen Psychologie fordert die Tiefenpsychologie die etablierte universitäre Wissenschaft so immer wieder heraus – und umgekehrt.